Müller, Georg - Das Geheimnis eines erfolgreichen Dienstes für Gott

Oftmals stehen die Gläubigen sinnend da und denken nach über die Zukunft im Hinblick auf den mannigfachen Dienst, den ihnen der Herr aufgetragen hat. Es sollte aber auch der Dienst im Werke des Herrn nicht unsere erste Sorge bilden, sondern das sollte allezeit unsere größte Sorge sein, daß unsere Seele glücklich im Herrn ist. Andere Dingen mögen sich schwer auf unser Herz legen, des Herrn Werk mag die größte Anforderung an uns stellen, aber ich wiederhole es: von der größten Wichtigkeit ist es für uns, danach zu trachten, daß unsere Seele in dem Herrn ruht und stille ist. Dies ist seit 35 Jahren meine feste und bestimmte Überzeugung. In den ersten 4 Jahren, als ich gläubig war, kannte ich die Wichtigkeit dieser Sache noch nicht, aber nach den vielen Erfahrungen, die ich machen durfte, möchte ich meine jüngeren Brüder und Schwestern darauf aufmerksam machen: Das Geheimnis eines erfolgreichen Lebens für den Herrn ist die Freude am Herrn, die auf Erfahrung gegründete Bekanntschaft und Gemeinschaft mit ihm.

Aber auf welche Weise empfangen wir diese unentwegte, glückliche Stellung in dem Herrn? Wie kommen wir zu dieser Freude und Seligkeit in Gott, so daß wir alle Herrlichkeit und Eitelkeit der Welt als wertlos achten? Ich antworte: Diese glückliche Stellung erlangen wir durch das Studium der Heiligen Schrift. Gott hat sich uns darin geoffenbart in der Gestalt unseren Herrn Jesus Christus.

In der heiligen Schrift verklärt sich der Herr unserer Seele durch den Heiligen Geist. Bedenke: Es ist kein Gott unserer eigenen Gedanken und unserer Phantasie, der uns darin entgegentritt, sondern es ist der Gott der Bibel, unser himmlischer Vater in Christo, der uns seinen teuren Sohn geschenkt hat, damit er für uns stürbe. Ihn, der sich selbst geoffenbart hat in seinem teuren Wort, sollen wir suchen, immer besser daraus kennenlernen.

Es ist aber die Art und Weise, wie wir sein Wort betrachten, dabei von größter Bedeutung. Die ersten Stunden des Tages sollten dem Studium der Heiligen Schrift gewidmet sein. Unsere Seele soll sich an dem Wort Gottes nähren. Wir sollen es nicht für andere, sondern für uns selbst lesen. Alle Verheißungen, Tröstungen, Warnungen und Tadel sind für uns geschrieben und wir sollen sie selbst zu Herzen nehmen. Die Gewohnheit, Lieblingsstellen in der Heiligen Schrift zu wählen, sollten wir nicht pflegen. Die ganze Heilige Schrift ist vom Heiligen Geist eingegeben, und deshalb sollten wir keinen Teil des Wortes Gottes vernachlässigen. Wir sollten die ganze Schrift lesen und zwar regelmäßig. Aber es ist nicht genug, in der Bibel zu lesen; wir müssen vielmehr auch mit dem bekannt und vertraut werden, was uns da geoffenbart ist, und der sich in ihr uns offenbart, ist eben kein anderer als unser teurer Heiland Jesus Christus, der sich für uns opferte und an unserer Statt starb.

Noch ein weiter Punkt muß in Erwägung gezogen werden. Wir müssen unverzüglich nach dem Licht, das uns geschenkt ist, auch handeln. Tun wir das, so wird uns der Herr sicher noch mehr schenken; wenn wir es aber unterlassen, so wird unser Licht zu Finsternis werden. Es ist von äußerster Wichtigkeit, daß wir vor dem Herrn wandeln mit einem rechtschaffenen aufrichtigen Herzen. Wenn wir sündigen oder die Sünde pflegen und zu entschuldigen suchen, dann wird der Kanal der Gemeinschaft zwischen Gott und uns eine Zeitlang durchschnitten sein. Schwachheiten und Fehler werden wir haben, so lange wir hier wandeln, aber wir dürfen das durchaus nicht damit verwechseln, daß wir gegen die Sünde Nachsicht üben. Ich muß meinem himmlischen Vater in's Angesicht sehen und mit aufrichtigem Herzen sagen können: Hier bin ich, mein Herr, tue mit mir nach deinem Wohlgefallen!

Weiterhin ist zu beherzigen, daß wir Gottes Haushalter sind. Unsere Zeit, unsere Gesundheit, unsere Stärke, unsere Gaben, kurz unser Alles gehört dem Herrn und ihm allein. Wenn wir uns diese Wahrheit immer wieder vergegenwärtigen und sie in unserem Leben zu verwirklichen suchen, was werden wir dann für glückselige Christen sein! Es ist ein göttliches Grundgesetz: „Wer da hat, dem wird gegeben werden.“ Wenn wir mit dem Pfunde wuchern, das uns der Herr geschenkt hat, so wird er uns noch mehr schenken. Wir werden von dem Herrn gebraucht werden und unsere Freude in seinem Dienst wird größer und größer werden. Brüder, wir haben nur ein Leben, und zwar ein kurzes Leben; laßt uns dieses eine Leben dem Herrn ganz heiligen und Tag für Tag Gott sehen; laßt uns ihm dienen mit unserem Leibe, unserer Seele und unserem Geiste, die sein Eigentum sind. Wenn wir dieses zum Gegenstand des anhaltenden Gebetes machen, so werden unsere geistlichen Kräfte nicht erschlaffen, obwohl wir mit dem Fortschreiten der Jahre ein Abnehmen unserer körperlichen Kräfte spüren. Möchten wir immer mehr zunehmen und danach trachten, daß ein stetiges Wachstum der geistlichen Kräfte und Energie stattfinde und die letzten Tage unseres Lebens am fruchtbarsten seien.

Unser „allerheiligster Glaube“ besteht nicht in bloßen Reden. Realität, Realität, Realität, das ist es, was wir brauchen. Laßt uns das Ziel mit ganzem Herzen verfolgen und unsere ganze Kraft einsetzen! Brüder, unser Lebenswandel sollte so sein, daß, wenn wir heimgehen, die Gemeinde und die Welt es merken und die Lücke empfinden. Wie schnell eilt die Zeit! Wir sollten so leben, daß nach unserer Pilgerschaft die Gläubigen ausrufen: „Wäre doch dieser teure Bruder noch in unserer Mitte!“ Auch bei der Welt sollte unser Scheiden empfunden werden und mancher zu dem Bekenntnis gedrängt werden: „Wenn es je einen Christen auf dieser Welt gab, so war er es!“

Doch wenden wir uns wieder zur Heiligen Schrift! In ihr werden wir von dem Heiligen Geist unterrichtet und mit dem Charakter Gottes bekannt gemacht. Unser geistliches Auge wird geöffnet und wir sehen, welch' ein liebliches Wesen unser Gott ist und daß dieser gute, gnädige und geliebte Vater unser Vater ist und unser Erbteil für Zeit und Ewigkeit. Und unser hochgelobter Heiland, der für uns starb, ist unser treuer Freund, in dessen Bild wir verwandelt werden; ihm zu dienen sollten wir immer als unseren höchsten Vorzug und größte Freude halten.

Aber wie sollen wir uns verhalten, wenn der Herr uns Trübsal und Anfechtungen sendet? Wenn er mit uns handelt, als wäre er nicht der freundliche und gnädige Herr, wie ihn die Schrift uns offenbart? Sollen wir dann klagen und zweifeln? Sicherlich nicht! Laßt uns unser Vertrauen auf den himmlischen Vater setzen! Möchten wir wie kleine Kinder uns ganz auf ihn verlassen und ruhen auf der Verheißung seiner unabänderlichen Liebe! Laßt uns in der heiligen Schrift forschen, wie Gott die alten Väter geführt hat, denn er wird auch jetzt sicher nach seinem Wort handeln.

Dieser vertraute Umgang und diese innige Gemeinschaft mit Gott wird uns wahrhaft glücklich machen. Nichts anderes vermag uns volle Genüge zu geben. In Gott, unserem Vater, und in dem Herrn Jesu Christi hat unsere Seele einen reichen, göttlichen, unwandelbaren und ewigen Schatz. Laßt uns praktisch von diesem herrlichen Schatz Besitz ergreifen und in den noch vor uns liegenden Tagen unserer Pilgerschaft uns Gott hingeben und immer völliger ihm unser Leben weihen mit allem, was es ist und hat.

Quelle: Gärtner - Eine Wochenschrift für Gemeinde und Haus 1907

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